Kostenrechnung
Was Schuhe wirklich kosten, pro Tag gerechnet
80 EUR pro Jahr für Sneaker, ab 499 EUR einmal für rahmengenähte Maßschuhe oder 1.500 EUR beim klassischen Maßschuhmacher. Ich habe alle vier Wege über 10 Jahre durchgerechnet, mit Pflege, Gummieinsätzen und Neubesohlung. Das Ergebnis spricht nicht überall für uns.
Die Rechnung, die in jedem zweiten Schuhblog steht, geht so: Billige Schuhe kaufst du zehnmal, gute Schuhe einmal. Also seien gute Schuhe langfristig günstiger.
Ich verkaufe rahmengenähte Maßschuhe. Diese Rechnung wäre also gut für mein Geschäft. Sie ist aber unvollständig, und ich habe keine Lust, sie Ihnen zu erzählen. Stattdessen habe ich sie einmal ganz aufgemacht, mit Lederpflege, mit den Gummieinsätzen in der Sohle, mit der Neubesohlung, also mit allem, was in den üblichen Vergleichen fehlt.
Vorweg das Ergebnis: Auf Kosten gerechnet verlieren wir. Nicht knapp, und nicht nur vorübergehend. Warum ich den Artikel trotzdem veröffentliche, steht weiter unten.
Ein Paar FORMA PRIOR Derby kostet
0,82 EUR pro Tragetag
Gerechnet auf das Einstiegsmodell zu 499 EUR, dazu Lederpflege, Gummieinsätze und 1 Neubesohlung über 10 Jahre, bei 120 Tragetagen pro Jahr. Ein Paar Sneaker für 80 EUR pro Jahr liegt bei 0,67 EUR pro Tragetag. Wir sind also 15 Cent teurer, pro Tag.
Die Ausgangsfrage
Der typische Fall sieht so aus. Jemand gibt jedes Jahr rund 80 EUR für ein neues Paar Sneaker aus. Nach 12 bis 18 Monaten ist die Zwischensohle durchgelaufen, das Obermaterial ausgebeult, die Ferse innen aufgerieben. Das Paar wandert in den Müll, ein neues kommt nach. Über 10 Jahre also 10 Paar Schuhe und 800 EUR. Gepflegt wird ein Sneaker in der Praxis nicht, deshalb steht in dieser Spalte nichts weiter.
Die Alternative: 1 Paar rahmengenähte Maßschuhe ab 499 EUR, getragen über 10 Jahre und länger. Klingt nach einem klaren Fall. Ist es nicht, denn ein Schuh, der lange hält, hält nicht von allein.
Und weil man uns regelmäßig fragt, wo wir im Vergleich zum echten Maßschuhmacher stehen, habe ich diese Spalte gleich mit aufgenommen: 1.500 EUR für ein Paar mit handgebautem Holzleisten, mehreren Anproben und Probeschuh. Das ist der obere Rand des Vergleichs.
Die Annahmen, offen gelegt
Damit Sie die Rechnung nachvollziehen und mir widersprechen können.
- Trageprofil
- 120 Tragetage pro Jahr
- Betrachtungszeitraum
- 10 Jahre, also 1.200 Tragetage
- Sneaker
- 80 EUR pro Paar, 1 Paar pro Jahr, keine Pflege
- Günstiger Businessschuh
- 130 EUR pro Paar, Wechsel alle 2 Jahre
- FORMA PRIOR Derby
- 499 EUR ab Einstiegsmodell, Schuhspanner inklusive
- Klassischer Maßschuhmacher
- 1.500 EUR, Handleisten und Anproben enthalten
- Lederpflege und Schnürsenkel
- 8 EUR pro Jahr, bei allen Lederschuhen
- Gummieinsätze der Sohle
- 15 EUR pro Jahr, bei rahmengenähten Schuhen
- Neubesohlung rahmengenäht
- 250 EUR alle 5 Jahre, also 1 Vorgang im Zeitraum
Die Neubesohlung im Jahr 5 fällt in den Betrachtungszeitraum. Die nächste steht im Jahr 10 an und zahlt bereits auf die Jahre 11 bis 15 ein, deshalb rechne ich sie hier nicht mit.
Abbildung 1
Kosten pro Tragetag, in EUR
Gesamtkosten über 10 Jahre geteilt durch 1.200 Tragetage. Beim Derby zeigt der helle Balken die Spanne vom Einstiegsmodell zu 499 EUR bis zum frei konfigurierten Modell zu 599 EUR.
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Beim Sneaker steckt alles im Kaufpreis, weil es nichts zu pflegen und nichts zu reparieren gibt. Beim Derby liegen dagegen rund 44 Prozent der Gesamtkosten in der Instandhaltung, also in Pflege, Gummieinsätzen und Neubesohlung. Genau das ist der Grund, warum er nach 10 Jahren noch existiert. Und genau das macht ihn teuer.
Abbildung 2
Kostenaufbau über 10 Jahre, in EUR
Alle Positionen kumuliert. Die schraffierte Fläche beim Derby ist der Aufpreis vom Einstiegsmodell zum frei konfigurierten Modell.
| Einheit | Position | Sneaker | Businessschuh | FORMA PRIOR | Maßschuhmacher |
|---|---|---|---|---|---|
| EUR | Anschaffung | 800 | 650 | 499 bis 599 | 1.500 |
| EUR | Lederpflege und Schnürsenkel | 0 | 80 | 80 | 80 |
| EUR | Schuhspanner | 0 | 25 | 0, inklusive | 0, inklusive |
| EUR | Gummieinsätze der Sohle | 0 | 0 | 150 | 150 |
| EUR | Neubesohlung | nicht möglich | nicht möglich | 250 | 250 |
| EUR | Gesamt über 10 Jahre | 800 | 755 | 979 bis 1.079 | 1.980 |
| EUR je Tragetag | Kosten pro Tragetag | 0,67 | 0,63 | 0,82 bis 0,90 | 1,65 |
| Paar | Gekaufte Paare | 10 | 5 | 1 | 1 |
| Paar | Entsorgte Paare | 10 | 5 | 0 | 0 |
| Wochen | Wartezeit bis Lieferung | 0 | 0 | bis 12 | 16 bis 32 |
| Termine | Anproben vor Ort | 1 | 1 | 0 | 2 bis 4 |
Das Ergebnis in einem Satz
Über 10 Jahre kostet 1 Paar maßgefertigte, rahmengenähte Schuhe rund 179 bis 279 EUR mehr als die Sneaker-Gewohnheit. Das sind 18 bis 28 EUR pro Jahr, 1,49 bis 2,33 EUR pro Monat oder 15 bis 23 Cent pro Tragetag.
Gegen den klassischen Maßschuhmacher sieht es umgekehrt aus. Dort kostet dasselbe Trageprofil 1.980 EUR statt 979 EUR, also rund die Hälfte mehr an Gesamtkosten und 60 bis 67 Prozent mehr im Kaufpreis. Dafür bekommen Sie einen handgebauten Holzleisten, Anproben und einen Probeschuh. Das ist die bessere Passform, keine Frage. Sie kostet nur eben das Doppelte.
Wer Schuhe ausschließlich als Kostenposition betrachtet, kauft günstiger, wenn er billig kauft und oft ersetzt. Diese Rechnung geht auf, und ich behaupte nicht das Gegenteil.
Und nein, die Kurven treffen sich auch später nicht
Der übliche Einwand an dieser Stelle lautet: 10 Jahre sind zu kurz gerechnet. Irgendwann müsse sich der Maßschuh doch amortisieren. Also habe ich beide Wege auf 15 Jahre verlängert.
Das Ergebnis ist eindeutig. Die Sneaker-Gewohnheit kostet 80 EUR pro Jahr. Der Derby kostet in der Instandhaltung 23 EUR pro Jahr plus 250 EUR alle 5 Jahre, also im Schnitt 73 EUR pro Jahr. Der Abstand schrumpft damit um lediglich 7 EUR im Jahr, während zu Beginn ein Vorsprung von rund 500 EUR aufzuholen wäre. Rechnerisch dauert das über 70 Jahre. Die Linien laufen also praktisch parallel, und der Maßschuh bleibt oben.
Beim Maßschuhmacher gilt dasselbe, nur deutlicher. Die laufenden Kosten sind identisch, weil es dieselbe Konstruktion ist. Der Kaufpreis liegt aber rund 900 EUR höher, und dieser Abstand bleibt über den gesamten Zeitraum bestehen. Keine dieser drei Kurven kreuzt eine andere.
Abbildung 3
Kumulierte Ausgaben über 15 Jahre, in EUR
Sneaker mit 80 EUR pro Jahr ohne Pflege. Beide rahmengenähten Schuhe mit 23 EUR Pflege und Gummieinsätzen pro Jahr sowie Neubesohlung im Jahr 5 und im Jahr 10 zu je 250 EUR. Derby gerechnet auf das konfigurierte Modell zu 599 EUR.
Warum Sneaker nicht besohlt werden können
Bei einem Sneaker und bei den meisten günstigen Businessschuhen ist die Sohle mit dem Oberleder verklebt, oft direkt angespritzt. Diese Verbindung lässt sich nicht zerstörungsfrei öffnen. Ist die Sohle durch, ist der Schuh am Ende seines Lebens, unabhängig davon, wie gut das Obermaterial noch ist.
Bei der Goodyear-Rahmennaht wird das Oberleder mit einem umlaufenden Rahmen vernäht, die Laufsohle wiederum mit diesem Rahmen. Ein Schuhmacher kann die Sohlennaht öffnen, die abgelaufene Sohle abnehmen und eine neue aufnähen, ohne das Oberleder anzutasten. Deshalb tauchen in meiner Rechnung überhaupt 250 EUR für Neubesohlung auf, und deshalb steht in der Zeile darunter eine 0.
Ein Sneaker ist ein verklebter Verbund aus EVA-Schaum, Gummi, Textil und Kunststoff. Diese Materialien lassen sich praktisch nicht sauber trennen und damit auch nicht sinnvoll recyceln. 10 Paar in 10 Jahren heißt: 10 Paar, die als Ganzes entsorgt werden. Ein rahmengenähter Lederschuh besteht aus Leder, Kork, Baumwollfaden und Metallösen und wird nicht ersetzt, sondern instand gesetzt.
Abbildung 4
Entsorgte Paare in 10 Jahren
1 Symbol steht für 1 Paar Schuhe. Ausgefüllt bedeutet entsorgt, umrandet bedeutet weiter in Gebrauch.
Wo wir gegenüber dem Maßschuhmacher stehen
Die vierte Spalte ist die unbequemste, weil sie zeigt, was wir nicht sind. Ein klassischer Maßschuhmacher baut Ihnen einen Holzleisten von Hand, lädt Sie zu 2 bis 4 Anproben ein und fertigt oft einen Probeschuh, bevor das eigentliche Paar entsteht. Er korrigiert am lebenden Fuß, nicht am Datensatz. Diese Passform ist besser als unsere. Das sollte niemand bestreiten, und ich tue es auch nicht.
Was wir dagegenhalten, ist der Preis und der Aufwand auf Ihrer Seite. 499 statt 1.500 EUR, also 67 Prozent weniger im Kaufpreis und rund die Hälfte über 10 Jahre. Dazu 0 statt 2 bis 4 Anprobetermine und bis zu 12 statt 16 bis 32 Wochen Wartezeit.
Der Grund für diesen Unterschied ist einfacher, als er klingt: Ein Maßschuhmacher verlangt 1.500 EUR nicht wegen des Leders, sondern wegen seiner Zeit. Genau diese Zeit, das Vermessen und das Leistenbauen, haben wir durch die Vermessung per App ersetzt. Die Fertigung selbst haben wir nicht ersetzt. Die läuft weiterhin von Hand in einer Werkstatt nahe Budapest, rahmengenäht, mit denselben Arbeitsschritten.
Der Punkt, den keine Kostenrechnung abbildet
Und jetzt der Teil, der mir wichtiger ist als jede Tabelle.
Ein Sneaker für 80 EUR in Standardweite passt Ihnen entweder oder eben nicht. Bei sehr vielen Menschen passt er nicht. Nicht in der Länge, da findet sich meist etwas, sondern in der Breite. Konfektionsschuhe werden in 1 Weite gefertigt, manchmal in 2. Menschliche Füße kommen in deutlich mehr Varianten.
Wenn Sie einen dieser Sätze schon einmal gedacht haben, kennen Sie das Problem:
- Die Länge passt, aber vorne drückt es am Ballen.
- Sie kaufen eine halbe Nummer größer und schieben eine Einlage nach.
- Nach 4 Stunden im Büro wollen Sie die Schuhe ausziehen.
- Ihre beiden Füße sind unterschiedlich lang, und Sie richten sich nach dem größeren.
Für dieses Problem gibt es keine Kostenrechnung. Ein Schuh, der drückt, wird nicht dadurch besser, dass er nur 80 EUR gekostet hat. Sie tragen ihn trotzdem 120 Tage im Jahr. Und er wird auch nicht dadurch besser, dass Sie ihn nächstes Jahr ersetzen, denn das nächste Konfektionspaar hat dieselbe Weite.
Genau dafür stehen die 15 bis 23 Cent pro Tragetag: nicht für Langlebigkeit, denn die rechnet sich nachweislich nicht, sondern für einen Schuh, der auf der Geometrie Ihres Fußes aufgebaut ist. Wir vermessen beide Füße einzeln über eine Smartphone-App und leiten daraus einen persönlichen Leisten ab. Länge, Breite und Ballenumfang gehen als tatsächliche Werte in die Fertigung, nicht als nächstgelegene Konfektionsgröße.
Für wen sich die Rechnung lohnt
Eher nicht
Wenn Sie mit Konfektionsschuhen gut zurechtkommen, gerne wechselnde Modelle tragen, Schuhe als saisonales Modeteil verstehen oder Ihnen die niedrigsten Gesamtkosten wichtiger sind als alles andere. Dann kaufen Sie günstiger, wenn Sie günstig kaufen. Die 755 EUR aus Spalte 2 sind ein ehrlicher Wert, und ich werde nicht versuchen, ihn Ihnen auszureden.
Eher ja
Wenn Sie seit Jahren Schuhe suchen, die in der Breite passen. Wenn Sie beruflich viel stehen oder gehen. Wenn Sie lieber 1 gutes Paar lange besitzen als 10 kurz. Oder wenn Sie es leid sind, jedes Jahr denselben Kompromiss neu zu kaufen.
Dann lieber zum Maßschuhmacher
Wenn Sie eine ausgeprägte Fußfehlstellung haben, orthopädischen Bedarf, sehr starke Abweichungen zwischen beiden Füßen oder schlicht die bestmögliche Passform wollen und die 1.500 EUR dafür in Ordnung sind. Ein handgebauter Leisten mit Anproben schlägt jede Vermessung. Wir sind der Kompromiss dazwischen, und das sagen wir auch so.
Der Unterschied liegt bei 1,49 bis 2,33 EUR im Monat, also unter einem Kaffee. Die Entscheidung fällt damit nicht am Preis. Sie fällt an der Frage, ob Ihnen Ihre Füße ein Paar Schuhe wert sind, das für sie gebaut wurde.
Häufige Fragen
Wie lange halten rahmengenähte Schuhe wirklich?
Was kostet der Unterhalt eines FORMA PRIOR Derby pro Jahr?
Wie berechnet man Kosten pro Tragetag?
Was kostet der günstigste FORMA PRIOR Derby?
Ist ein Maßschuh dasselbe wie ein Schuh vom Maßschuhmacher?
Warum veröffentlicht FORMA PRIOR eine Rechnung, die gegen FORMA PRIOR ausgeht?
Rechnen Sie mit Ihren Zahlen nach. Wenn Sie wissen möchten, welches Modell zu Ihrem Trageprofil passt: 4 Fragen, etwa 40 Sekunden, kein Konto nötig.
Alle Beträge in EUR inklusive Mehrwertsteuer, Stand Juni 2026. Der Preis für die Neubesohlung ist ein Erfahrungswert unserer Werkstatt und kann je nach Schuhmacher abweichen. Die Angaben zu Sneakern und günstigen Businessschuhen sind Modellannahmen, keine Messwerte.